Ilse Wilhelm // Feldenkrais Hamburg

Versagensängste

Volles Potenzial entwickeln und zeigen

Angst erzeugt im Körper durch minimale Muskelanspannung eine Haltung, in der man sich unwillkürlich etwas kleiner macht als man ist. In dieser Haltung fühlt man sich beschützt und sicher. Deshalb gibt man sie auch nicht so leicht auf. Die aufgerichtete, offene Haltung erscheint dann irgendwie unpassend, „so bin ich nicht“. Sie überfordert uns, weil wir den Schutz, die Deckung vermissen.
Das Dumme ist nur, dass diese Angsthaltung macht, dass wir dabei auch innerlich in ängstlicher Stimmung bleiben. Wir kommen nicht „aus uns heraus“, sind etwas schüchtern und können nicht unser volles Potenzial zeigen.
Hinzu kommt, dass wir uns nicht wirklich flüssig oder geschmeidig bewegen. Alles wird in dem typischen, leicht verkrampften Beugeschema ausgeführt, das alte, längst vergessene Ängste in uns hinterlassen haben.

Feldenkrais-Arbeit findet oft im Liegen statt. Die angeleiteten oder geführten Bewegungen sind ungewohnt und neu, aber man muss sie nicht lernen oder korrekt ausführen können – also haben Leistungsstress, Versagensängste und selbst die uralte Angst vor dem Fallen hier keinen Platz. Eine freundliche Atmosphäre, in der man sich bald von selbst entspannt.
Da liegst du also und beobachtest deine Bewegungen, und es bleibt nicht aus, dass du merkst, welche Bewegungen leicht und angenehm zu machen sind und wie du anfängst, auch bei schwierigen Bewegungen nach mehr Leichtigkeit zu suchen. Oft kriegst du auch einen Hinweis auf den leichteren Weg. Wenn man das über Wochen praktiziert, bekommt man bald ein Gespür dafür, dass und wie man Bewegung leichter machen kann. Weil man beobachten, fühlen und sich zu entspannen gelernt hat. Das alte, hinderliche Angstmuster in den Muskeln verschwindet!

Aber wieso funktioniert es? Ganz einfach: zusammen mit der Angst-Spannung in der Muskulatur verringert sich auch das Gefühl von Angst. Das kann man ausprobieren. Muskelspannung und seelische Stimmung stehen in enger Beziehung und wirken von innen nach außen genau so wie von außen nach innen. So arbeitet unser Gehirn nun mal.
Wenn die Muskeln in einer angstgeprägten Haltung gewohnheitsmäßig verblieben sind, leidet man oft scheinbar grundlos unter Gefühlen von Unsicherheit oder Unzulänglichkeit. Wird das „Angstmuster“ der Muskeln jedoch aufgelöst, erlebt man sich positiv verändert – selbst, wenn man sich seiner angstgeprägten Haltung überhaupt nicht bewusst war. So kommt es, dass man nach Feldenkrais-Stunden aufsteht und sich verändert fühlt. Fremd vielleicht, „keine Ahnung was das ist und was ich damit anfangen soll“. Aber im weiteren Verlauf wird immer klarer: das ist die Haltung und Bewegung, die nicht länger vom Angstmuster bestimmt ist. Das ist Freiheit, das ist Persönlichkeitsentwicklung und Beweglichkeit zugleich!