Ilse Wilhelm // Feldenkrais Hamburg

Bewegen – wahrnehmen

Ich höre und vergesse,
Ich sehe und erinnere mich,
Ich tue und verstehe

Moshé Feldenkrais, der Begründer der Feldenkrais-Methode, zitierte gern diese alte chinesische Weisheit. Er war überzeugt, dass die Lektüre seiner Bücher über die Methode nicht ausreiche, man müsse die Wirkung „am eigenen Leib“ erfahren. Auch das Verstehen ist demnach ein Vorgang, der nur durch die Einheit von Geist und Körper vollzogen wird.
Gute Bewegung braucht immer den ganzen Menschen. Das Wahrnehmen der eigenen Bewegungen und Empfindungen trägt zur Entstehung eines reichhaltigen und präzisen Selbstbildes bei, nach dem wir handeln. Unser Potenzial strebt nach immer weiterer Entwicklung, so lange wir leben. Selbst wenn dieses Streben manchmal eine Weile unter Routine verschüttet lag.

Die Feldenkrais-Methode dient zur Nachentwicklung dessen, was mit Beginn des schulischen Lernens in unserer Kultur vernachlässigt wird. Wachstum und Entwicklung verändern uns tatsächlich noch während der gesamten Schul- und Ausbildungszeit, und gerade in diesem wichtigen Zeitraum haben wir zu wenig Gelegenheit, auch unser (Bewegungs-) Verhalten vollständig erlernen. Wir können mit uns und anderen nicht richtig umgehen und gewöhnen uns, weil so viel Wissenserwerb unsere Aufmerksamkeit fordert, an ein unzulängliches Selbstmanagement. Am Ende wissen wir viel über die Welt, aber zu wenig über uns selbst.

Die vielfältigen, nicht zielorientierten Bewegungen in Feldenkrais-Lektionen werden genutzt wie eine Entdeckungsreise, ein Sammeln von Eindrücken und Empfindungen. Die Landkarte der Handlungsmöglichkeiten im Gehirn füllt sich, zwischen den breiten Straßen unserer Gewohnheiten bilden sich viele neue Wege, mit deren Hilfe sich die angesteuerten Ziele schneller, genauer, auf angenehmer Fahrt erreichen lassen. Besitzer einer genauen „Karte“ sind besser orientiert, überblicken ihr Aktionsfeld, erkennen sinnvolle Alternativen, finden im Leben ihren Weg!

Für Musiker ergeben sich oft neue Interpretationsmöglichkeiten, weil Achtsamkeit und leichtere Beweglichkeit die Technik verändern. Oder es „öffnet sich ein Vorhang“ für neue Bilder und Ideen. Auch vermeidet man Überlastung eher, wenn an die Machbarkeit von Bewegung neue, feinfühligere Maßstäbe gelegt werden oder die Kraftverteilung innerhalb der Bewegungskette optimiert wird oder die Atmung frei wird oder oder oder….
Feldenkrais ist eine Methode, die für positive Neben-Effekte bekannt ist!

„Einzigartigkeit beruht auf Freiheit, was bedeutet, dass wir immer wieder aus uns selbst heraus lernen und Dinge verwerfen müssen, die wir von anderen gelernt haben.“
~ Kazuaki Tanahashi